Glaarkshouse

Inhale. Exhale. Der Annapurna Circuit Trek in Nepal.

Sonntag, 30. März 2014. // Pame Bazar. Bei Pokhara.
Wir haben auf dem einzigen Overlander-Campingplatz Nepals gerade Argid und Raimund kennengelernt, mit denen wir bald durch China fahren werden. Was wir nicht wussten: Argid und Raimund haben schon sehr viele Treks in Nepal gemacht. Wir reden also so über den Annapurna Circuit Trek.
Und dann beschließen wir recht spontan: den machen wir!

Montag, 31. März 2014. // Pokhara.
Auch als Kurzentschlossene müssen wir einen TIMS-Pass (Trekkers Information Management System) sowie unser Annapurna Conservation Area Ticket besorgen. Also: Geld abheben, Passfotos machen lassen, Pässe ausstellen lassen und – weil das alles ja recht spontan zuging – das bestehende Equipment aufstocken: Wasserflaschen, Handschuhe, Wanderstöcke, Water-Purifier, Müsliriegel, Blasenpflaster, eine Trekkinghose für Jen, Kerzen, eine gute Wanderkarte usw.

Dienstag, 1. April 2014. // Ngadi (930m) // Kamala Lodge
Kein April-Scherz: Wir fahren nach Besi Shahar. Von dort geht es weiter nach Bhulbhule. Die Schuhe werden geschnürt, der Rucksack wird geschultert und los geht’s! In eines der schönsten Erlebnisse, das wir je zusammen erleben durften. Aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht!
Wir wandern eine gemütliche Stunde nach Ngadi, wo wir unsere erste Nacht seit langem nicht im Glaarkshouse verbringen. Die Unterkunft ist sehr einfach. Plumpsklo auf dem Hof. Eiskalte Dusche neben dem Klo. Das Zimmer zugig und kalt. Aber gemütlich.

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Mittwoch, 2. April 2014 // Jagat (1.300m) // Eco Home
Wunderschöne kleine Dörfer, viele Kühe und Büffel. Es ist sehr heiß.
Am Nachmittag regnet es ein wenig, doch wir schaffen es gerade noch, trocken im Guesthouse zu landen. Es gibt – wie schön – eine warme Dusche!

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Donnerstag, 03. April 2014 // Dharapani (1.860m) // The Seven Hotel
Schon in der Früh regnet es sehr stark. In voller Regenmontur geht es fast den ganzen Tag über Steintreppen auf und ab durch die Wälder. Wir erreichen ein weites, wunderschönes Tal und einen Ort namens Tal. Die Gegend verändert sich. Gebetsmühlen und die bunten buddhistischen Fahnen säumen den Weg. Das Guesthouse ist gemütlich. Aber der Dining Room ist eiskalt. Die Jacken werden nun abends anbehalten. Hier sollen wir jedoch das beste Essen des Treks bekommen. Dhal Bhatt satt. Das Trekking-Essen schlechthin. Wir lernen die Engländer Marika, Simon und David kennen, die wir noch viele Male treffen werden.

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Freitag, 04. April 2014 // Chame (2.700m) // Mona Lisa Guesthouse
Der Vormittag ist sportlich, es geht steil bergauf. Wunderschöne Wälder um uns herum. Die gewaltigen weißen Bergspitzen tauchen rund um uns herum auf. Traumhaft!

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Samstag, 05. April 2014 // Chame (2.700m) // Shangri-La Guesthouse
Nach einer „schlechten“ Büffelmilch am Vortag und einer entsprechend unschönen Nacht für Jen entscheiden wir uns für einen Tag Pause in Chame, den wir mit schlafen, lesen und spazieren gehen verbringen. Es ist kalt, wir mummeln uns in die Schlafsäcke und Decken – und ruhen uns aus.

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Sonntag, 06. April 2014 // Lower Pisang (3.200m) // Peak Hotel
Wir sind wieder topfit und wandern gemütlich durch immer noch grüne Täler. Hängebrücken, Wälder, wilde Pferde, Esel und weitere Gebetsmühlen zieren den Weg. Zum Akklimatisieren steigen wir zum Lunch nach Upper Pisang um zum Schlafen wieder etwas niedriger zu sein. Die Empfehlung „Go high – sleep low!“ tut uns beiden den ganzen Trek über gut. Wir genießen eine warme Dusche – frieren aber dennoch den Rest des Abends.

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Montag, 07. April 2014 // Bhraka (3.360m) // New Yak Hotel
Wir wandern den wunderschön pittoresken Upper Trail Richtung Manang. Wir glauben uns in Canada zu befinden – grüne Nadelwälder, glasklare Seen, weiße Bergspitzen – wären da nicht die buddhistischen Tempel hier und dort. Wir begegnen heute sehr vielen Trekkern, treffen immer wieder bekannte Gesichter der vorherigen Tage. Auch wieder Simon und Marika aus Leeds, mit denen wir den Abend und den folgenden Tag verbringen.

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Dienstag, 08. April 2014 // Manang (3.500m) // Himalayan Singi Guesthouse
Was man für die Akklimatisierung nicht alles tut. Peter hat einen schlechten Tag heute, kommt aber doch bald in die Gänge. Zusammen mit Marika und Simon wandern wir den sehr steilen Weg zum Ice Lake auf 4.600m! Zum ersten Mal sind wir beide über 4.000m überhaupt. Wir atmen noch! :)
Am Nachmittag laufen wir noch entspannt von Bhraka ins 25-Minuten entfernte Manang und belohnen uns erst einmal mit einem leckeren Schokocroissant. Wie aus dem Nichts tauchen hier plötzlich zauberhafte kleine Bäckereien mit allerhand Köstlichkeiten auf.
Wir duschen nicht mehr. Wir würden zu sehr auskühlen, da man sich in den eiskalten Hütten nicht mehr aufwärmen kann. Katzenwäsche muss reichen!

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Mittwoch, 09. April 2014 //Akklimatisierungstag in Manang
Hier in Manang sollen Trekker einen Tag Pause machen. Manche spüren ein wenig die Höhe: leichte Kopfschmerzen, unruhigen Schlaf. Wir besorgen uns ein wenig Proviant für die kommenden Tage (hier ist alles wieder etwas günstiger weil es einen Airport gibt), besuchen brav die kostenlose ‚Lecture about Altitude Sickness‘ wo wir viele bekannte Gesichter treffen, machen einen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt und ruhen uns auch ein wenig aus.

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Donnerstag, 10. April 2014 // Yak Karkha (4.018m)
Erholt und entspannt machen wir uns weiter auf unserem Weg. Die Landschaft wird karger, wir sehen keine Bäume mehr. Dafür die wunderschönen Yaks. Nachmittags wandern wir zum Tee noch in das etwas höhere Ledar (4.200m) um dann wieder tiefer zu schlafen. Tagsüber ist es nach wie vor sehr warm, doch mit dem Verschwinden der Sonne wird es eisig. Ein heißes Fußbad sorgt kurz für wohlige Wärme. Doch mittlerweile tragen wir fast alles, was wir dabei haben um uns vor der Kälte zu schützen.

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Freitag, 11. April 2014 // Thorong Phedi (4.450m)
Heute hat Jen einen schlechten Tag. Keine Lust mehr, keine Motivation. Doch sie rafft sich auf und freut sich, als wir in Phedi ankommen. Nach einer kurzen Stärkung laufen wir zum High Camp (4.900m) – so sehen wir schon, was uns zu Beginn des kommenden Tages beim Aufstieg zum Pass erwartet.
Und dann beginnt es zu schneien!
Und es hört nicht mehr auf! Wir sind aufgeregt! So wie alle anderen etwa 40 Personen im Dining Room der Lodge in Phedi. Es ist sehr kalt draußen. Das Wasser in unseren Flaschen gefriert in unserem „einfachen“ Zimmer. Wir legen uns mit der Kleidung ins Bett, die wir zum Aufstieg tragen wollen. Einfach mal alles!

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Samstag, 12. April 2014 // Aufstieg zum Thorong La Pass (5.416m) //
Muktinath (3.760m)
Nach einer eher unruhigen und aufgeregten Nacht stehen wir um 3.30 Uhr auf um nach einem kurzen Frühstück exakt um 4.30 Uhr aufzubrechen. Es ist stockfinster. Und bitterkalt. Mit Stirnlampen beginnen wir den steilen Anstieg zum High Camp. Die Luft ist klar und frisch. Alles ist weiß. Wunderschön! Magisch! Der Anblick der Gipfel im Sonnenaufgang lässt uns das mühsame Gehen und schwere Atmen fast vergessen. Man spürt die Höhe, die Kälte – dennoch, wir freuen uns auf den Pass. Und nach etwa vier Stunden haben wir es tatsächlich geschafft: 5.416m! Wir weinen fast vor Freude. Vielleicht auch ein wenig vor Erschöpfung. Das Gefühl nach fast zwei Wochen Aufstieg ist überwältigend.
Dennoch, wir müssen weiter. Der nächste Ort liegt etwa 1.600 Höhenmeter tiefer. Wir haben noch einen langen Weg vor uns. Im Tiefschnee. Es beginnt wieder zu schneien, die Sicht ist schlecht. Wir sind sehr müde. Der Kopf drückt ein wenig. Der Weg ist sehr rutschig.
Um 13 Uhr etwa erreichen wir den ersten Ort nach dem Pass. Hungrig wie noch nie freuen wir uns auf zwei (!) warme Mahlzeiten hintereinander … und die erste heiße Dusche seit Tagen. Dhal Bhatt allerdings – können wir nicht mehr sehen! Wir schlafen früh und tief und fest. Und selig.

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Sonntag, 13. April 2014 // Jomsom (2.720m) // Tilicho Hotel
Viele Trekker steigen in Muktinath schon in einen Jeep der sie nach unten bringt. Wir wollen zumindest noch „auslaufen“ und wandern gemütlich, wenn auch immer noch erschöpft nach Jomsom. Heute ist nur der Wind gegen uns. Doch am Nachmittag erreichen wir das sehr zivilisierte kleine Bergdorf. Die Wanderschaft ist abgeschlossen. Mehr als 170 km und 8.000 Höhenmeter liegen hinter uns. Noch begreifen wir gar nicht, was wir geschafft haben. Und wir essen immer noch für zwei. Jeweils. Und freuen uns, dass es nicht mehr ganz so kalt ist.

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Montag, 14. April 2014 // Zweiter Tag in Jomson
Unser Rückflug nach Pokhara wird wegen starkem Wind gestrichen. So verbringen wir nochmals einen laaaaaangen Tag in Jomsom.

Dienstag, 15. April 2014 // Zuhause
Um 6.40 Uhr in der Früh bringt uns eine kleine Propeller-Maschine zurück nach Pokhara. Nach ein paar Erledigungen fahren wir zurück nach Pame – wo wir nach zwei Wochen endlich wieder zuhause sind! Zuhause im Glaarkshouse! Wir sind sehr glücklich!

Glücklich, diesen Trek gemacht zu haben.
Aber auch glücklich, wieder daheim zu sein.

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10 Kommentare

  1. Pierre

    Ciao con Locarno.
    amazing…I read the book Annapurna from Maurice Hertzog…the first climber of the Annapurna
    By the way, I will start in Austria in may…so if you come back it will be a pleasure to keep a position for you!
    See you
    Pierre

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  2. Heiner Woll

    Wahnsinn was Ihr alles erlebt! Ich bin selbst begeisterter Backpacker und hoffe eine solche Weltreise auch einmal erleben zu können!
    Eigentlich wollte ich um 11 Uhr ins Bett, habe jetzt aber doch bis in die Tiefe Nacht gebannt am Computer gesessen und eure gesamte Seite inhaliert.

    Ich wünsche euch noch weiterhin viele tolle Erlebnisse und freue mich schon sehr auf die kommenden Geschichten!
    Liebe Grüße aus Saarbrücken, Heiner

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  3. Nepalfreak

    Habe den Trek von Pokhara über den Thorong-Pass nach Dumre in 11 Tagen gemacht. Nur zu Fuß. Das ist doch keine Strapaze. Ihr seid jämmerliche Weicheier.

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    • Jennifer Glas Design

      Lieber Nepal-Freak, sehr geehrter Herr Herbert Bumiller,
      vielen Dank für Ihren interessanten Kommentar. Sie haben leider ein wichtiges Attribut vergessen. Wir sind nämlich „glückliche jämmerliche Weicheier“. Wir haben fest vor, den Trek noch einmal zu machen, dann gerne mit noch viel mehr Zeit, denn die Landschaft ist atemberaubend schön und wir möchten jeden Tag dort oben genießen.

      Wir wünschen Ihnen viel Freude dabei, vieles in Ihrem Leben noch höher, schneller, weiter und besser zu schaffen als Ihre Mitmenschen. Respekt für die 11 Tage! Sie sind wahrlich ein ganz Großer!
      Beste Grüße, Familie Glas

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