Glaarkshouse

Unerwartete Pause im entspannten Griechenland. Oder: Der Alltag einer jungen Ehe.

Es muss zwischen neun und zehn Uhr in der Früh sein. Ich wache allmählich auf, da die Temperatur im Shelter ganz langsam ansteigt. Im Morgengrauen hat Peter schlaftrunken die Dachluke geschlossen, so dass uns bei Tagesanbruch die Sonnenstrahlen nicht aufwecken.

Das Gefühl beim Aufwachen ist wundervoll. Der Wind und das Rauschen der noch sanften Wellen sind zu hören. Noch keinen einzigen Tag hat es sich selbstverständlich oder gewöhnlich angefühlt, erst dann aufstehen zu müssen, wenn der Tag mich weckt. Und jeden Morgen bin ich mir über das Geschenk bewusst, neben meinem Lieblingsmenschen aufzuwachen – und entspannt liegen bleiben zu dürfen, bis die Lust auf Sonne und die Lust auf den Tag den Kampf gegen die Müdigkeit gewinnen.

Es wird warm heute. Sehr warm. Allein vom Liegen im Shelter ist die Haut schon ganz klamm. Aber wir benötigen nicht viele Handgriffe, um uns für den ersten Sprung in die klare, türkisblaue Ägäis vorzubereiten. Wir öffnen die Tür sowie die moskitobenetzten Fenster um Luft herein zu lassen und gehen die wenigen Meter zum weißen Strand für ein erstes erfrischendes Bad im sauberen Meerwasser. Wundervoll ist das!

Seit fast zwei Wochen sind wir nun in Griechenland. Geplant war das eigentlich nicht. Doch vor der Fahrt über Istanbul in den Osten der Türkei hatten wir es für vernünftig erachtet, ein paar Ersatzteile zu bestellen, die wir aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit der Wasserversorgung im Shelter eventuell brauchen könnten. Die Wasserpumpe hatte erneut einen Defekt wegen einem zweiten verschlissenen Teil – das erste hatte Peter schon in Italien erfolgreich ausgewechselt.
Aufgrund der Tatsache, dass wir also einige Tage auf die besagten Teile vom Hersteller aus Italien warten mussten, wollten wir die Chance nutzen, uns zwei weitere Dinge aus Deutschland senden zu lassen, die wir bereits über die Adresse meiner Schwester bestellt hatten [tausend Dank, liebe Julia und lieber Björn!]. Die Temperatursicherung unseres Boilers war durchgeraucht und Peter hatte sich noch ein bestimmtes Buch gewünscht.

So waren es jedenfalls zwei Sendungen auf die wir zu warten hatten. Der Wettlauf zwischen der deutschen und der italienischen Post sollte jedoch einen unerwarteten Ausgang finden: das Päckchen aus Deutschland war in der Tat eine ganze Woche länger unterwegs.

Nun, es gibt wohl schlimmere Situationen, als an einem wundervollen Strand auf einer zauberhaften Halbinsel festzusitzen. Und so finden wir innerhalb dieses Urlaubs – von unserem Trip – in einen ganz unerwarteten aber wunderschönen Reisealltag in Griechenland.
Da wir bei der Bestellung der Ersatzteile sowohl auf eine feste Adresse als auch auf griechische Übersetzungen angewiesen sind, verbringen wir die gesamte Wartezeit auf einem kleinen, entspannten, familienbetriebenen Campingplatz, dessen Infrastruktur wir für allerhand Dinge nutzen können. So wird Wäsche gewaschen, eingekauft, das Auto geputzt, die Shelter-Batterien aufgeladen, die Löcher der Seitenluken dicht gemacht (nachdem sich dort mehrfach Wespen einnisten wollten), „Internethygiene“ betrieben, es werden Luftlöcher für das Kühlschrankgebläse gebohrt, eine Verankerung für die Badezimmertür gebastelt, kaputte Flipflops ersetzt – und vieles mehr.

Aber nein. All das nicht auf einmal. Meistens fühlt man sich nach der Erledigung schon einer dieser Tätigkeiten fleißig genug und belohnt sich mit einem weiteren Bad im Meer, mit einer Schnorchelrunde, Lesen, einem Powernap am Strand oder mit dem einfachen Sein. Besonders die Sonnenuntergänge – mit Blick auf Turtle Island – laden zum längeren Verweilen ein.

Aber so ganz träge sind wir auch nicht. Da sich unser bisher fast tägliches Laufen oder Wandern aufgrund der hohen Temperaturen gerade nicht so gut anfühlt, haben wir in die tägliche Yogapraxis gefunden und üben jeden Morgen gemeinsam eine fordernde Stunde – direkt am Strand. Wunderschön ist das! Und Peter mag mir meine vielen Fehler bei meiner neuen Tätigkeit als Yogalehrerin verzeihen.

Nach dem Yoga wird dann in Ruhe gefrühstückt. Das ist meistens nicht vor 13 oder 14 Uhr. Den heißen Nachmittag verbringen wir am Strand oder mit kleinen Ausflügen auf der Insel. Am frühen Abend ist dann meist schon Zeit für das erste Bier oder ein Glas Wein bei einer Runde Backgammon. Und nach dem Sonnenuntergang bereiten wir schließlich an der Außenküche allerhand frischen, griechischen Salat zu.

So ein Tag kann am Ende ziemlich anstrengend sein. Verblüffend ist, dass man trotz des Ausschlafens todmüde in sein „Zuhause“ fällt. Nun ja, nicht ganz. Viel zu schön ist der Sternenhimmel, den wir von unserem Bett aus – direkt aus der großen Dachluke oder gleich auf dem Dach liegend – bestaunen können. Und das Gefühl, dass man dann hat – die Freude über das Sein und diese Reise, die Dankbarkeit jedem einzelnen Tag aufs Neue gegenüber – das ist noch viel schöner.

So sind nun also zwei Wochen vergangen und endlich sind alle Pakete eingetroffen, Ersatzteile eingebaut, Sachen gepackt, Vorräte und Wassertanks aufgefüllt, Simba klar gemacht, Scheiben gewaschen, Seitenluken aufgeräumt, Ölstand geprüft, voll getankt, von mittlerweile ans Herz gewachsenen Reise-Nachbarn verabschiedet – und weiter geht die Reise nun gen Osten.

Wir freuen uns schon sehr auf die Weiterfahrt. 
Und Simba scharrt schon mit den Hufen.

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Sundowner

Die Ägäis vor der Tür

Chalkidiki

Neos Marmaras

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3 Kommentare

  1. micha

    das hört sich alles wunderbar an!!! die geschichte mit dem dach und den sternen muss grandios sein!
    bin schon gespannt wie es weitergeht. viel spaß und ganz liebe grüße aus der heimat!

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  2. Pingback: Camping und Russland. „The Real Thing“ eben. | Glaarkshouse

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